Interview: Cafe Royal 10

Durch ihren berührenden Hit "Steffi aus Graz", einem Song über die Frauenmorde in Österreich, ist die Live Band Cafe Royal 10 gerade Gesprächsthema in österreichischen Medien. Auch wenn die Austropop Formation thematisch eigentlich nicht zu den Austria Top 30 Deejay Charts passt, wollten wir aufgrund der Aktualität das Thema dennoch aufgreifen. Falco Imitator Rene Binder ist Teil der Gruppe und wir haben ihn zum Interview gebeten.

 

AustriaTop30: Rene ihr seid ja momentan in allen Medien, gratuliere dazu. In der HEUTE Zeitung habe ich gelesen, ihr seht euch als eine Art Austropop Variante der Band "Gorillaz", wie passt das mit einer Live Band zusammen? Weil die Gorillaz sind ja mehr oder weniger eine fiktive Cartoon Band?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Das ist eine Notlösung, weil wir in ständig wechselnden Formationen spielen und daher nicht wollen, dass man ein bestimmtes Gesicht der Band zuordnet. Wir sind ja fast alle nur Nebenerwerbsmusiker, von daher haben nicht immer alle Zeit. Seit der Gründung der Band gab es in etwa 20 (!) Musiker die unter dem Namen "Cafe Royal 10" aufgetreten sind, auch heute sind wir bis zu 10 Musiker die sich abwechseln. Fast immer dabei sind Peter Sendescheid, Martin Sendescheid und ich, deswegen übernehmen wir ein wenig die Führungsrolle in der Kommunikation.  

 

AustriaTop30: Ihr habt ja 20 Jahre für euer erstes Album gebraucht und das obwohl die ersten Songs schon vor 20 Jahren entstanden waren. Wie ist das zu erklären?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Die Zeit vergeht eben schnell (lacht). Nein, wir haben natürlich nicht 20 Jahre am Album gearbeitet, aber es ist richtig was du sagst, die ersten Songs waren vor rund 20 Jahren in Grundzügen fertig. Damals haben wir uns dann aber in Richtung Live Cover Band entwickelt und haben viele Jahre alles gespielt, von Elvis bis Danzer, Fendrich, Johnny Cash und noch viel mehr. 

 

AustriaTop30: Aber wie kam es dann doch noch zum Album?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Ein befreundeter Produzent und Songwriter, der auch schon davor die Songs "I wär so gern dei Teddy", "Charly Blue" und "De Lond Pomeranzen" mitgeschrieben hat, kam wieder auf uns zu. Er war mittlerweile als Techno Deejay eine echt große Nummer und hatte aufgrund von tagesaktuellen Themen Material lagernd, von dem er meinte, das passt aber nicht zu ihm und seiner Art von Musik. Im Tonstudio haben wir dann gemerkt, es passt aber zu uns.

 

AustriaTop30: Stimmt es, dass der Song "Steffi aus Graz" wegen dem ihr jetzt überall in den Medien seid, fast nicht am Album gelandet wäre?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Das stimmt tatsächlich. Wir waren mit dem Album eigentlich schon fertig, hatten es auch schon unserem Händler übergeben und dann kam unser Songwriter im letzten Augenblick noch mit dem Song daher. Er kannte ja Steffi aus Graz persönlich und es war ihm ein echtes Anliegen, dass wir den Song noch einsingen. Der Song ist irgendwie ganz anders, aber wir fanden ihn wunderschön und deswegen haben wir die Veröffentlichung noch verzögert um "Steffi aus Graz" noch auf das Album zu bekommen.

 

AustriaTop30: Wieso habt ihr eigentlich ein Problem mit dem Wort Femizid? 

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Wir stehen in der politischen Mitte und der Begriff hat seinen Ursprung in linksradikalen und linksfaschistischen Kreisen. Vorallem ist er aber eine Verharmlosung der unglaublichen Verbrechen der Nationalsozialisten, man kann nicht einen Mord an einer Frau mit der industriellen Vergasung von Millionen von Juden gleich setzen. Jeder Frauenmord ist einer zuviel, aber das sind alles Einzeldramen und keine industrielle Vergasung von Menschen. Ich finde das unfassbar pietätlos das sprachlich gleichzusetzen.

 

AustriaTop30: Ihr seid ja fast alle Rapid Fans, seid ihr mit den aktuellen Personal-Entscheidungen jetzt zufrieden? Ihr habt ja in einem Song heftige Kritik am SK Rapid Wien geäußert. 

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Du sagst es, FAST alle. Da fragst du aber genau den Falschen, ich bin der einzige Austrianer in der Gruppe. Die anderen 9 sind alle Rapid Fans und unser Songwriter ebenso. 

 

AustriaTop30: Oh okay! Das wusste ich nicht. Dann besser ein anderes Thema. Im Internet gab es die Kritik, dass ihr nicht alle wie Wiener klingt. Was hat es damit auf sich? Der Name Cafe Royal 10 kommt ja auch davon, weil ihr euch im Cafe Royal im 10.ten Wiener Gemeindebezirk gegründet habt?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Den Namen haben wir in erster Linie wegen unserem verstorbenen Freund Karl "Charly" Friedberger gewählt, dem damaligen Besitzer des Cafe Royal in der Absberggasse. Wir haben nie behauptet eine Wiener Band zu sein, die Musik heißt ja auch Austropop und nicht Wiener Pop. Klar klingen nicht alle wie Wiener, weil wir zwar alle in Wien leben, aber einige Bandmitglieder keine gebürtigen Wiener sind. Wir haben einen Steirer, die beiden Sendis (Anmerkung: die beiden Brüder Martin & Peter Sendescheid) sind Waldviertler und einer unserer Sänger ist sogar ein Piefke (lacht). Ich glaube ich bin der einzige echte Wiener und auch ich habe tschechische Vorfahren. Aber man sagt ja: ein echter Wiener hat mindestens einen Tschechen in der Familie (lacht)

 

AustriaTop30: Du bist ja auch solo unterwegs, als Falco Imitator. Wo liegt deine Priorität?

 

Rene Binder/Cafe Royal 10: Ich habe einen biederen Bürojob und Musik ist eine Mischung aus Nebenjob und Hobby. Mir ist es egal ob ich in der Gruppe auftrete oder alleine. Hauptsache es sind schöne Events. Bei Begräbnissen möchte ich nicht spielen. Tatsächlich haben wir aber mit Cafe Royal 10 ziemlich viele Auftritte, also bin ich mittlerweile öfters in der Gruppe zu sehen.  

 

Das Interview führte Richard Weimarer